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© Simone Morris, DVM
ETWHA-Journal 1995 (Seite 19 u. 20)


Kings Delightful Lad

Von Simone Morris

Vier Jahre sind nun schon vergangen, seitdem der erste Tennessee Walking Horse Zuchthengst Europa’s gestorben ist. Mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte dieses Pferd in Deutschland. Sein letztes Jahr verlebte er in Borken/Westfalen, wo er leider wegen einer schweren Krankheit eingeschläfert werden mußte. Damals war er im Besitz von Suyin O. und mir, und so war ich dabei, als sich das ereignete.

Trotz seiner Krankheit war dieser 24 Jahre alter Herr immer noch heiter und wieherte den Stuten nach.

Ach ja, - ich schreibe hier natürlich über Kings Delightful Lad 673356, der 1979 zusammen mit seiner Halbschwester Joyful Rhythm 644695 und einer Stute namens Syl-ver’s Black Angel 675335 nach Deutschland importiert wurde. Leider verstarb der Besitzer bevor die Pferde in ihrer neuen Heimat ankamen. Die Witwe ließ sie auf einer Appaloosa-Auktion des Gestüts Hausgrund in Lindlar versteigern. Ein Geschäftsmann aus Hannover erwarb sie, mußte sie aber wegen seiner schlechten Finanzlage im Sommer 1980 wieder verkaufen.

Klaus Schmidt, Betreiber eines Ponyreithofes in Hohenwestedt, war vom ruhigen Charakter und Ausdruck dieser bereits 13 bzw. 16 Jahre alten Pferde so beeindruckt, daß er sie kaufte und ihnen in Schleswig Holstein für die folgenden 10 Jahre ein gutes Zuhause gab.

Aus Joyful Rhythm wurde die alte ‘Joy’, aus Syl-ver’s Black Angel ‘Blacky’ und aus Kings Delightful Lad ‘King’.

1982 wurden die Pferde ins Schleswig-Holsteinische Ponystutbuch aufgenommen. King wurde gekört. Die Anforderungen, die die Körkommission an den Tennessee Walker stellten, waren: 300 m Schritt und 1500 m Galopp in jeweils 3 Minuten, und 1500 m Tölt in 6 Minuten (= 15 km/h). Bis Ende der 80er Jahre war der Unterschied zwischen Walk und Tölt in Deutschland kaum bekannt, und die Pferde wurden dementsprechend geritten.

King hatte 23 reinrassige Nachkommen, die nicht alle bei der TWHBEA eingetragen wurden. Einige erhielten leider nur deutsche Abstammungsnachweise. Zusammen mit Syl-ver’s Black Angel hatte er 11 Fohlen, 7 Stut- und 4 Hengstfohlen.

Mein Hengst Lad’s Black Buster wurde 1983 geboren, er ist der einzige männliche Nachfahre von King, der Hengst geblieben und gekört worden ist.

1991, dem Jahr von King’s Tod, wurde von Buster aus meiner Stute Shocker’s Sweetheart ein Hengstfohlen geboren, und zwar genau an Suyin’s Geburtstag. Deshalb nannte ich das Fohlen Suyin’s Sweet Elroy, das heißt der königliche Süße von Suyin! Elroy wurde in den Niederlanden geboren; seit drei Jahren ist er in Deutschland, in der Nähe von Siegen zu Hause. Sein Vater Buster hatte jahrelang Stall und Koppel in den Niederlanden, wird aber 1995 wieder in Deutschland stehen, da ich nach Witten/Nordrh.Westf. umgezogen bin.

Auch nach Österreich ist ein Nachkomme von Kings Delightful Lad gelangt. Es ist seine Enkelin Dashing Sugarrose (‘Rosele’), gezüchtet von I. Deubel.

Fam. Schmidt hat die Tennessee Walker Zucht 1989/90 aufgegeben. Ein Teil davon zog nach Rheinland Pfalz.

Interessant ist die Auskunft über alte Blutlinien, aus denen Kings Delightful Lad und Syl-ver’s Black Angel stammten. King stammte aus Michigan und Blacky aus Iowa, trotzdem finden wir gemeinsame Vorfahren in den Papieren dieser zwei Pferde.


Lad’s Black Buster unter seiner Besitzerin Simone Z

Es handelt sich um den in der 4. Generation aufgeführten Hengst Major Allen 350059, sowie seinen ebenfalls sehr bekannten Bruder Bud Allen 350049, einen Sohn von Mitch F-5 und de berühmten Stute Merry Legs F-4. Mitch F-5 wiederum war ein Sohn von Roan Allen F-38.

Wobei wir am Anfang der  Tennessee Walker Zucht angekommen wären! In King’s Pedigree finden wir dazu einen Sohn von Major Allen, der auch in Europa bekannt ist: Clark’s Red Allen 370021, welcher ein Urgroßvater von Oliver’s Crackerjack, dem Hengst von Familie J. Holstermann aus Bad Zwischenahn ist.

Andere bekannte Pferde aus dem Pedigree von Kings Delightful Lad sind in der 4. Generation Brown Allen 350157 (Sohn von Hunter’s Allen F-10) und in der 3. Generation Desert Gold 360016, Sieger der Hengste auf der TWH Celebration von 1941 (vgl: B. Green: “Biography of the Tennessee Walking Horse”, 1960, S. 133). Außerdem finden wir in seine Abstammung, woher King seine schöne palomino Farbe hatte, nämlich von Groß- und Urgroßvater (Linienzucht!) Kirklin’s Moonbeam 500545, einem Enkel von Barker’s Moonbeam 380497. Der letzte war wieder ein Sohn von Golden Sunshine F-44, Sohn von Hunter’s Allen F-10 und der palomino Stute Golden Lady aus Eddie Hal F-14.

Kings Delightful Lad war über Barker’s Moonbeam verwandt mit einem sehr berühmten Sohn dieses Hengstes, nämlich dem Pferd von dem Filmstar Roy Rogers. Jedes Kind, das in den fünfziger Jahren in Amerika lebte (und dazu gehöre ich ja auch!) kannte das Bild von Roy Rogers und seinem Pferd Trigger, insbesondere auch seinen Song ‘Roy Rogers had a horse, hiya hiya ho’. Das Pferd war also der Trigger, offiziell registriert als Allen’s Gold Zephyr 431975.

Vierzehn Jahre später hatte ein Enkel von Trigger, welcher fast das Ebenbild seines Großvaters war, die Arbeit übernommen.

Die Pedigree von Syl-ver’s Black Angel weist nicht weniger bekannte Pferde auf: In der 4. Generation finden wir außer dem schon erwähnten Major Allen dreimal den berühmten Zuchthengst Wilson’s Allen 350075 (Sohn von Roan Allen F-38). In der 3. Generation drei Söhne von Wilson’s Allen, unter denen auch Midnight Sun 410751, World Grand Champion 1945 und 46, zu finden ist. Blacky’s Großvater Midnight Secret 501167 (Sohn von Midnight Sun) war Sieger der Hengste 1955. Die Großeltern mütterlicherseits von Midnight Secret waren Giovanni 370291 und Snip 350038. Giovanni war ein American Saddlebred, der in die Tennessee Walker Zucht aufgenommen worden ist, und Großvater von Merry Go Boy, World Grand Champion 1947 u. 48, war. Die Stute Snip hatte genau wie Major Allen die Foundation Stute Merry Legs F-4 zur Mutter. Snip wurde dadurch bekannt, daß sie mit Last Chance 350034, einem Sohn von Hunter’s Allen F-10, die Stute Snip’s Chance 460427 zeugte, Großmutter des World Grand Champion 1963, Sun’s Delight D.  

Über die erste deutsche und auch europäische Tennessee Walker Zucht wird heute gelegentlich etws geringschätzig geurteilt. Bezüglich der Ausbildung mag dieses berechtigt sein, denn die Kenntnisse über die Gänge sind vermutlich im Gestrüpp der anfänglichen häufigen Besitzwechsel verlorengegangen, die Blutlinien jedoch, wie oben aufgezeigt, sind auch heute noch unter Kennern der Naturwalker gefragt und hochgeschätzt.

Deshalb sollten wir das Pferd nicht vergessen, das uns auf der Equitana 1983 zeigte, was ein Tennessee Walker ist: es war der strahlende Gentleman mit dem goldenen Charakter und derselben Farbe: Kings Delightful Lad.

Last Updated: April 27, 2008